Sprachliche Präzision bei der stichwortartigen Benennung von Diagnosen von Schizophrenie

(geschrieben 10/05)


Also ich persönlich empfinde eigentlich die Diagnose selbst als Beleidigung. "Gestört gespaltene Persönlichkeit" ... also eine üblere Beschimpfung kann ich mir kaum ausmalen.



Gemeint ist ja oft, daß die Betroffenen tatsächlich von etwas gestört werden, und nicht etwa, daß die Reaktion auf diese Störung unangemessen ist.


Auch der Begiff der Spaltung ist schlecht gewählt: Es gehört einfach zu einer gesunden Informationsverarbeitung dazu, beide (angenehme und unangenehme) Seiten einer Situation zu beleuchten. Wer z.B. Zividienst ableisten muss, wird einerseits sehen, daß diese Arbeit sinnvoll und notwenig ist, andererseits aber möglicherweise den Zwang zu dieser Arbeit ablehnen.


Der Verweis auf Persönlichkeit/Seele will wohl eigentlich auch eher meinen, daß die Störung in dem oben genannten Sinne extrem tiefgreifend ist, die Person insgesamt sehr stark beeinflusst, und nicht etwa, daß die Person insgesamt krankhaft zwiegespaltene Informationsverarbeitungsmechanismen an den Tag legt.


Hinzu kommt dann oft noch der Hinweis darauf, daß der Störfaktor halluziniert wird. Damit ist eigentlich wohl auch eher gemeint, daß der Störfaktor von aussen nicht erkennbar ist, als daß behauptet würde, der Betroffene bilde sich diese Störung nur ein.


Alles in allem also ein höchst unpräzise Ausdrucksweise.


Warum also nicht:


"Ausgeprägtes Unwohlsein aufgrund nicht nachvollziehbarer Wahrnehmungen."


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Anmerkung:


In meinem Falle ist dieses Unwohlsein verselbstständigt in dem Sinne, daß es unabhängig von der Wahrnehmung verbleibt, und eher auf einer "formalen" Ebene liegt, als eine Stimmungslage zu sein. Ich will unter der Voraussetzung, daß es Gedankenübertragung gibt nicht leben, und weiß, daß es Gedankenübertragung gibt.