Zwangsdienste, Notwendigkeit

 


wenn z.B. ein Politiker sagt, es sei sinnvoll, irgendwelche Zwangsdienste per Gesetz einzuführen, dann mag er (abhängig von der Zielsetzung) damit recht haben. Nun ist aber ja zu befürchten, daß der solche Zwangsdienste wirklich per Gesetz einführen will. Zum Erzwingen braucht man aber Gewalt, in diesem Falle staatliche Waffengewalt. Damit ist klar, daß unter der Zielsetzung einer würdevollen Gestaltung unseres Zusammenlebens eine Einführung eines Zwangsdienstes auch notwendig, alternativlos, und eben nicht nur für irgendwelche Zwecke sinnvoll sein muss. Zweckmässigkeiten, die nicht gleichzeitig Notwendigkeiten sind, sind nämlich völlig ungeeignet, Gewalt zu rechtfertigen, weil ja der Unterschied zwischen einer Notwenigkeit und einer Zweckmässigkeit darin besteht, daß zur Notwendigkeit keine wirklichen Alternativen zur Erlangung des Ziels bestehen.
 
Dies ist vermutlich einer der ältesten rethorischen Tricks überhaupt:
1. Ziel schmackhaft machen
2. darstellen, daß das Ziel nur mit Massnahme M erreicht werden kann
3. folgern, daß M notwendig ist
4. aus der Notwendigkeit folgern, daß Rechte beschränkt werden dürfen
 
Obwohl die Beschränkung von Rechten regelmässig der Zielsetzung zuwiderläuft ist eine solche Argumentationskette vergleichsweise aufwendig zu brechen, da dazu entweder zu beweisen ist, daß die Zielsetzung selbst die Rechtebeschränkung nicht rechtfertigen kann, oder aber Alternativen zur Massnahme dargestellt werden müssen.
 
Ein Beispiel:
1. alte und kranke sollen versorgt werden
2. dazu können Zivildienstleistende herangezogen werden,
   Alternativen sind nicht in Sicht, da zu teuer
3. Versorgung von kranken und alten kann nur durch Zivildienst
   sichergestellt werden
4. Junge Menschen müssen daher zum Dienst verpflichtet werden
 
Ob die Vesorgung von Alten+Kranken tatsächlich den Einsatz staatlicher Waffengewalt prinizpiell zu rechtfertigt vermag, ist argumentativ vermutlich nicht eindeutig zu klären. Klar ist hingegen, daß sich wahrscheinlich problemlos Menschen finden lassen, die bereit sind, die jetzigen Zivi-Jobs zu übernehmen, wenn nur auch die Bezahlung deutlich besser ausfällt, als der Zivi-Sold. Da der Bund jährlich nur knapp 1 Mrd. EUR für Zivildienstlöhne ausgibt, wird der Ersatz von Zivis durch den offenen Arbeitsmarkt auch nicht mehr als eine handvoll Mrd EUR jährlich kosten. Die Höhe dieses Betrages muss man aber ersteinmal kennen, was weesentlich mehr Aufwand bedeutet, als einfach zu sagen: "Ich finde, daß Alte und Kranke versorgt werden müssen, un dafür sind alle verantwortlich, also sollen alle dazu Verpflichtet werden."